Cadena de Mano
nach Master Maximo Sarmiento
– ein Enblick von Roberto Laura –

Einleitung
Über das Leben und Wirken des Maximo „Max“ Sarmiento ist wenig bekannt. Man weiss, dass er als Lastwagenfahrer beschäftigt war und zuvor einige Zeit beim Militär verbrachte (wo er unter anderem Ideen für sein späteres Messersystem erfuhr). Auch ist bekannt, dass er sich in seiner Jugend intensiv dem Boxsport widmete und allen Anschein nach in Chinatown von Los Angeles, USA, in verschiedene südchinesische Kung Fu-Systemen Einblick erhalten haben soll.
In Hinblick auf den philippinischen Klingenkampf studierte er zunächst anscheinend das Espada y Daga und vertiefte dieses dann, sowie auch Messer und Stock, mit dem ebenfalls verstorbenen Grandmaster Angel Cabales (es sollte an dieser Stelle erwähnt werden, dass Sarmiento und Cabales Trainingspartner, Nachbarn und Freunde waren und keinesfalls ein Lehrer-Schüler-Verhältnis führten).
Spricht man heute vom Cadena de Mano des späten Max Sarmiento wäre es anmaßend es als rein philippinische Kampfkunst zu bezeichnen. Vielmehr hatte Sarmiento ein für ihn zugeschneidertes Modell entworfen, welches Einflüssen verschiedener Kulturen ausgesetzt war. Schenkt man meinen einstigen Lehrern, GM Vincent Cabales und Master Jaime „Jimmy“ Tacosa, die ihrereseits Freunde wie Schüler Sarmientos waren Glauben, so besteht das Cadena de Mano nur zu einem kleinen Teil aus Konzepten der philippinsichen Kampfkunst.
Das wichtigste Merkmal des Systems, sprich dessen didaktischer Weg, die Einfachheit in Vermittlung und Vorgehensweise, wie auch die Vereinfachung und Angleichung aller erlebten Einflüsse auf ein einzig kompaktes Naturell, ist die eigentlich große Leistung des Autodidakten und Lehrers Sarmiento.
Konzeption
Die Grundidee ist ein boxerische Struktur mit Klingenfokus. Deckung, Paraden wie Konter werden realtiv zentral gehalten. Im Cadena de Mano versucht man in der Defensive stets den Aktionsradius innerhalb des eigenen Körperkastens zu halten. In der Offensive hingegen richtet man seine Angriffe außerhalb des peripheren Sichtfeldes des Gegners.
Ferner charakterisiert sich das System dadurch, dass die Arme bei vielen der Aktionen nicht gänzlich ausgestreckt werden. Bei Verteidigung und Angriff wird versucht im adäquaten Winkel zum Gegner zu stehen. Es gibt zwölf (12) Schlag- bzw. Trittmuster, welche auf vertikalen-, diagonalen- und sagitalen Bahnen verlaufen.
Schlagmethoden, wie zum Beispiel die golpes corto erfordern im hohen Maße Hüfttorsion in Verbindung mit Fallen und Steigen der ganzen Körperamsse. Die sogenannten deflections (deut. Ab- bzw. Umleitungen; in diesem Zusammenhang als Paraden zu verstehen), stellen kurze Verteidigungsbewegungen dar, welche den ankommenden Angriff knapp am Ziel vorbeiführen sollen. Ferner ergibt sich aus jeder deflection die Möglichkeit des Gegners Bewegungsspielraum zu schließen (engl. to jam), die Folgeaktion des Gegners im Keim zu ersticken (engl. to smother), einen Gegenschlag zu landen (engl. to strike) oder das Körperglied des Gegners zu fassen.
Die Prinzipien des Cadena de Mano lassen sich problemlos in den Waffenkampf integrieren. Hier dienen sie vor allem dem sinnvollen Einsatz der freien Hand in bezug auf Einstiege (span. entradas), Zwischen- und Konterschläge (span. golpes retornado; contraataque), Linkshandverteidigungen (span. cruzada de mano), contraguardia izquierdia (Linkshandreversal; Konter des Konters mit der linken Hand) und Entwaffnungen (visay. agaw). Hauptsächlich besticht das Cadena durch Aktionen der Handgelenke, der Unterarme und der Ellenbogen.
Tritte finden vornehmlich in der nahen Distanz (span. juego corto) Anwendung. Die bevorzugte Waffe in diesem Kontext sind Kniestöße. Um obig angesprochene Linkshandkonter durchzuführen findet bevorzugt die sogenannte de Cadena Motion Anwendung.
Hierbei handelt es sich um eine links-rechts-Asymmetrie in bezug auf die Streckung der Gleidmaßen. Die Streckung des zweiten Armes wird bewusst kürzer gehalten, als die des primär agierenden Armes. Man könnte von einem konstanten und hier andererseits – also im Verhältnis zur Aktionsgeschwindigkeit – symmetrischen Wechsel von Aktion und Interaktion sprechen. Diese Bewegungsfolge, die de Cadena Motion, legt den Grundstein der schnellen Konter- und Gegenkonteraktionen des Cadena de Mano.
Abschließend
Das System des Max Sarmiento kann als ein kompakter und durchdachter Weg zur Selbstverteidiging bzw. des Kampfes gewertet werde. Das Curriculum ist übersichtlich und gut strukturiert. Schlaghärte und –geschwindigkeit, Präzisioen und Minimalismus sind die Kernfaktoren dieser auf dem englischen Boxen, dem südchinesischen Pak Mei Pai, dem südchinesischen Choy Lee Fut, dem phlippinischen Espada y Daga und dem U.S.-amerikanischen militärischen Nahkampf basierenden Kampfkunst.
Roberto Laura für Christian v. Praun, Neckarsulm, 12. Februar 2007