Grandmaster Leo M. Giron „The living blade“
Grandmaster Leo M. Giron „The Living Blade“
von Frank Büchner

Leo M. Giron, geboren 1911 in Pangasinan verstorben am 21.05.2002 in Stockton, er lernte Arnis/Escrima von 5 verschiedenen Lehrern mir unterschiedlichen Schwerpunkten.
1929 emigrierte Leo Giron nach Californien, um dort auf den Feldern zu arbeiten. Dort traf er Flaviano Vergara wieder, der ihn zuletzt auf den Philippinen unterrichtet hatte. Sie nahmen das gemeinsame Training wieder auf. Es war Vergara, der Giron sagte, es würde an ihm, dem Schüler, nach der Graduation liegen, die Lücken zwischen dem alten System, Cada-Anan, und dem neuen System, Cabaroan (Long range fighting) zu füllen. Das war der Beginn des „Abanico del Mestro“.
Der zweite Weltkrieg brach aus und die USA und Japan traten in den Krieg ein. Vergara und Giron meldeten sich zur US Armee. 1943 trennten sich ihre Wege. Vergara starb in Neu Guinea durch eine Explosion.
Giron wurde in einer Reconaissance (Recon) Einheit im Dschungelkampf ausgebildet.
Von Australien startend, setzte man ihn und seine kleine Einheit, ein U-Boot auf den Philippinen ab.
Ihr Auftrag: Ein Jahr lang alle Informationen über die Japaner sammeln und über Funk weiterleiten. Giron gehörte einer Elite-Einheit an, die zusammen mit philippinischen Guerillas, verdeckte Operationen im Norden von Lucon, gegen die Japaner führte.
Hier musste er oft mit dem Schwert um sein Leben kämpfen. Er wurde u.a. dafür, von General Douglas MacArthur mit dem Bronzestar ausgezeichnet (mehr darüber in seinem Buch „Memories ride the ebb of tide“). Nach dem Krieg ,wollte Giron erstmal nichts mehr vom Kämpfen wissen.
Er widmete sich mehr dem Angeln.
Erst als 1966 acht Krankenschwestern in Ausbildung, die meisten davon Philippinas, von einem Mann mit einem Messer getötet wurden, besann er sich seiner Kenntnisse. Keine der Krankenschwestern machte damals Anstalten sich zu verteidigen. Großmeister Leo Giron wollte sein Wissen vermitteln, damit Menschen sich verteidigen können. 1968 eröffnete er einen Club in Tracy-Californien, der später nach Stockton wechselte. Diesen Club benannte er nach dem Motto seiner alten Recon-Einheit „Bahala Na Club No. 1“ (Bahala Na = Komme was wolle).
Der „Abanico del Mestro“ oder Master’s Fan
Der Fächer beinhaltet die 20 Stile des Grion Arnis/Escrima wobei die zwei „Hauptstile“ auf der ganz linken und ganz rechten Seite zu finden sind.
Links das „alte“ Escrima, Cada-Anan (Estilo De fondo) ein closed range combat System ,bei dem ein kürzeres Bolo verwendet wird(ca. 60 cm).
Rechts das „neue“ Escrima, Cabaroan (Estilo larga mano) ein long range combat System. Im Larga Mano wird z.B. mit dem Talonasan , oder dem Kampilan gekämpft – ca. 90-100 cm lang.
Dazwischen liegen die 18 anderen Stile, die als Bindeglied, zwischen den beiden Extremen fungieren. Diese Stile ergänzen entweder das Cada-Anan, oder das Cabaroan.
In der einzelnen Betrachtung enthalten sie die „secrets“ und Besonderheiten.
Beispielhaft hier nun 4 Substile in der näheren Betrachtung :
Estilio Elastico – ein „kleiner“ Stil, dem larga mano zugehörig. Eigentlich nur ein besonders geschmeidiges Bewegen bzw. strecken, dehnen ,um die Reichweite zu erhöhen oder sich aus dem Gefahrenbereich zu bringen.
Estilo Macabebe – benannt nach einem Dorf auf den Philippinen, in dem vornehmlich mit 2 Stöcken gekämpft wurde. Einer von GM Leo Girons ersten Lehrern, kam aus diesem Dorf. In diesem Stil werden überwiegend 2 Stöcke verwendet, sowohl für Hieb-, Stich- und Entwaffungstechniken.
Nach dem Doppelstock-Prinzip werden hier auch die waffenlosen Techniken trainiert.
Estilo Sonkete – mit Sonkete sind Stichtechniken gemeint. Im Estilo Sonkete wird demzufolge Augenmerk, auf die Stiche, in allen Varianten gelegt. Dieser Stil ist mehr dem Estilo De fondo zugehörig.
In diesem Stil befindet sich auch eine Besonderheit des Giron Arnis/Escrima :
Das Esparagos Knife fighting.
Der Spargelstecher wurde auf den kalifornischen Feldern zur Spargelernte verwendet. Die überwiegend philippinischen Erntehelfer, benutzten dieses Werkzeug dann auch zur Selbstverteidigung, oder trugen damit ihre Duelle aus. Da der Spargelstecher nur vorne angeschliffen ist ,wurden viele Stiche eingesetzt. Die Schläge folgten dem „Stockgedanken“,gingen also auf „harte“ Ziele ,wie Knochen und Gelenke.
Schnittbewegungen machten mit dieser „Waffe“ keinen Sinn.
Estilo Miscla Contras – Großmeister Leo Giron nannte seine Art „Arnis/Escrima“ weil er zwei Ideen folgte. Arnis bezeichnete für ihn die Form des klassischen Zweikampfes, dem Duell-Gedanken Rechnung tragend. Escrima war für ihn der Formationskampf ähnlich dem Kampf einer kleinen Einheit gegen mehrere Gegner, vornehmlich unter Einbeziehung des Terrains. Im gesamten Giron Arnis/Escrima wird daher das Terrain stark mit einbezogen.
Im Miscla Contras verarbeitete Großmeister Giron u.a. seine Erfahrungen aus dem Weltkrieg :
Wie bewege und kämpfe ich im Gelände gegen mehrere.
Wie nutze ich Hecken, Bäume, Äste, Böschungen usw…. zu meinem Vorteil.
Alle 18 Substile sind im De Fondo und/oder Larga Mano schon als Einzeltechniken enthalten.
Durch die Herausstellung der einzelnen Stile und deren tiefere Betrachtung, erreicht man ein besonderes Verständnis für diese.
Der „Abanico del Maestro“ ist somit auch eine besondere Trainingshilfe .
… und er hat auch noch eine Rückseite!
Giron Arnis/Escrima ist ein klingenorientiertes System welches auch heute noch in dieser Tradition so unverfälscht wie möglich unterrichtet wird.
Noch zu seinen Lebzeiten, bestimmte Stilbegründer GM Leo M. Giron Master Tony Somera als seinen Nachfolger und aktuellen Großmeister.
Die ersten Graduates, im Giron Arnis/Escrima ,außerhalb der USA, sind Guro Thorsten Schelle und Guro Frank Büchner aus Hamburg. Sie unterrichten im Bahala Na Club Hamburg.
Text: frank.buechner@t-online.de