Selbstverteidigung gegen Messerangriffe
Um die oft diskutierte Frage, ob eine Selbstverteidung gegen Angriffe mit Messer und andere Stich- und/oder Schnittwaffen möglich ist, zu beleuchten, ist es zunächst erforderlich ein Mißverständnis aus dem Weg zu räumen.Um einen Messerangriff möglichst unbeschadet zu überstehen ist es nicht erforderlich gegen den Angreifer zu kämpfen – oft wäre dies sogar fatal. Ziel einer Selbstverteidigungsaktion sollte immer die Flucht oder besser, ein geplanter Rückzug sein.
Hierfür kann es selbstverständlich erforderlich sein, den Gegner zu bekämpfen, das über allem stehende Ziel bleibt jedoch die – möglichst körperlich unversehrte – Flucht. Ein „Sieg“ ist nicht erforderlich.
Ein geringer Unterschied? Der Schein trügt. Auch wenn die Unterscheidung nach Haarspalterei aussehen mag beeinflußt doch eine übergeordnete Strategie „geordneter Rückzug“ die zur SV erforderlichen Handlungen erheblich.
Anders ausgedrückt:
Wenn es mein Ziel ist den Gegner auszuschalten, werde ich anders vorgehen müssen als wenn mein einziges Ziel darin besteht, die gefährliche Situation unbeschadet zu überstehen. Das für beide Szenarien teilweise gleiche Mittel und ähnliche Methoden benutzt werden können, macht die Sache nur verwirrender.
Was heißt das für unser Training?
Zunächst einmal muß man sich klar sein dass das größte Problem das rechtzeitige Erkennen eines Angriffs mit dem Messer ist. Selbst wenn man die perfekte Messerabwehr beherrschen würde – so es sie denn gäbe – ist man gegen einen überraschend erfolgenden Angriff sehr hilflos. Die Chance dies unverletzt zu überstehen geht gegen null.
Den besten Schutz bietet eine gewisse Grundaufmerksamkeit, so sollte man z. B. seinen Mitmenschen „auf die Finger gucken“ was hier bildlich gemeint ist. Schon im normalen Alltag kann es nicht schaden darauf zu achten was das Gegenüber in der Hand hält; in einer angespannten Situation die in einem Streit eskalieren könnte wird dies um so wichtiger.
Weiterhin kann es nicht schaden wenn man bestimmte Körperhaltungen deuten kann die auf einen bevorstehenden Angriff schließen lassen. Je früher man dies erkennt, kann man seine Flucht bzw. seinen Rückzug planen.
Das kann man trainieren – soweit die gute Nachricht.
Ist der Angriff schon im Gange ist die Lage um einiges schlechter. Einem Angreifer den Rücken zu kehren und „einfach zu laufen“ wie es so oft empfohlen wird ist nicht so einfach – einige Gedanken sollte man sich vorher schon gemacht haben.
Die Zeit die für den eigenen Rückzug erforderlich ist https://mega-pizzeria.com , muß man sich irgendwie erkaufen. Dies kann z. B. dadurch geschehen, dass man dem Angreifer etwas ins Gesicht wirft.
Dies kann alles sein was man zum Zeitpunkt des Angriffs gerade in der Hand hält. Je härter der Gegenstand ist um so besser. Aber auch ein leichterer Gegenstand kann den Zweck erfüllen so er den Angreifer nur einen Augenblick ablenkt. Diese Ablenkung kann reichen um aus der Angriffslinie herauszukommen.
So logisch es erscheint genau diesen Moment zur Flucht zu nutzen, kann es hier hilfreich bzw. erforderlich sein, den Angreifer aus dem Gleichgewicht zu bringen bevor man losrennt – alles was den Gegner Zeit kostet ist zu unserem Vorteil, ein Rammstoß von der Seite oder ein Tritt ins Bein kann hier Wunder bewirken und den nach vorne stürmenden Gegner eventuell sogar zu Fall bringen.
Sobald der Angreifer taumelt oder vielleicht sogar fällt ist der richtige Moment gekommen um zu fliehen. Jetzt ist es noch wichtig, nicht vor lauter Panik in die nächste Ecke oder einen Raum ohne Ausgang zu flüchten – entsprechendes Training kann hier helfen den Überblick zu bewahren.
Sollte man es nicht geschafft haben den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen oder gerade nichts zum Werfen in der Hand haben, muß man auf waffenlose Messerabwehren – mit allen darin liegenden Gefahren – zurückgreifen.
Die Zeit eine extra mitgeführte Waffe zu ziehen, wird man in aller Regel nicht haben.
Auch in diesem Szenario sollte eine Flucht das oberste Ziel sein, ist der Gegner bei Beginn des Angriffs schon in einer sehr nahen Distanz oder hat mich eventuell sogar schon gegriffen, muß ich mich erst einmal darum kümmern nicht bzw. nicht zu oft getroffen zu werden – dies kann durch Blöcke und Paraden erreicht werden.
Ziel sollte es hier sein, den das Messer haltenden Arm zu kontrollieren – möglichst indem man den Gegner in eine schlechtere Position bringt bzw. einen sog. superior grip anstrebt. Von da aus sollte versucht werden dem Gegner Schaden zuzufügen. Kopfstöße, Schläge, Ellenbogenschläge, Kniestöße, Bodychecks, Fingerstiche, Bisse alles ist hier erlaubt was schlecht für den Angreifer ist.
Auch wenn es sich nicht so anhört, dient dies nicht zwingend dazu den Gegner kampfunfähig zu machen. Es soll vielmehr ein Zeitfenster geschaffen werden, was uns – wie weiter oben beschrieben – eventuell die Möglichkeit zur Flucht gibt.
Dieser kurze Artikel sollte nicht als Gebrauchsanweisung mißverstanden werden – es soll eher ein Denkanstoß sein und helfen sein Selbstverteidigungstraining auch mal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen.
Text: Christian von Praun
